ein Radreiseneuling auf dem Weserradweg – Teil 2

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Tag 4: Porta Westfalica – Bodenwerder
Trotz nächtlicher rein-aus-dem-Schlafsack-rein-in-den-Schlafsack-Wechselei wache ich morgens ausgeruht auf. Neben mir wird schon eingeräumt, aber die anderen Radler sind auch nicht viel weiter als ich. Zum Frühstück gibt es das übrig gebliebene Brötchen von gestern und den Rest Limo. Das Abbauen und einpacken geht dann recht flott. An der Rezeption muss ich noch etwas warten, bis meine Abrechnung erledigt wird (hier bezahlt man am hinterher). Um neun bin ich dann schließlich wieder unterwegs. Für heute habe ich mir eine Taktik mit mehreren Endpunkten zurecht gelegt, an der Oberweser gibt es ja reichlich CPs. Bad Oeynhausen hatte ich gestern aus fahrttechnischen Gründen links liegen gelassen, aber auch heute habe ich keinen Drang nochmal ein Stück zurück zu fahren. Kurz nach dem Start lande ich irgendwie auf einer etwas hügeligen Nebenroute. Das ist dann gleich am Morgen etwas anstrengender. Ich lande dann aber schlussendlich doch wieder auf der normalen Strecke und fahre gemütlich meist etwas weg von der Weser lang, aber manchmal sehe ich auch das Wasser. Als ich in Rinteln einrolle ist die perfekte Zeit für ein zweites Frühstück. Inzwischen kommen mir auf der Strecke auch reichlich Radler entgegen. Am Anfang der Fußgängerzone ist auch gleich ein Bäcker. Bei dem versorge ich mich mit Kakao und einem Apfelberliner und verschlinge beides genussvoll auf einer der zahlreichen Sitzgelegenheiten in der Nähe. Anschließend schiebe ich mein Rad noch etwas durch die schöne Altstadt. Man darf dort zwar auch mit dem Rad fahren, aber es ist schon recht viel los dort und zum Fotografieren ist auch praktischer, wenn man nicht ständig absteigen muss.

Auf dem folgenden Stück kommt man auch wieder sehr häufig direkt ans Wasser, was mich sehr freut. Hessisch Oldendorf (welches nicht in Hessen liegt) lasse ich links liegen und lande schließlich an der Stiftskirche in Fischbeck.

Da es 12.30 Uhr ist gehe ich in das direkt danebengelegene Café. Ich will ja nicht schon wieder zu spät essen. Heute bestelle ich mir ein paar Nudeln. Diese laufen unter kleine Gerichte, stellen sich dann später aber als normal große Portion heraus. Nachdem ich bestellt hatte, fallen mir diverse auf der Karte genannte Zusatzstoffe auf. Bei meinem bestellten Gericht stehen zwar keine, aber mir schwant böses, was die Kochkünste in dem Laden angeht. Die Befürchtungen bestätigen sich leider. Es schmeckt sehr nach irgendeinem Fix-Produkt. Dabei ist es doch so einfach, eine Bolognese ohne den Quatsch zu kochen. Nach der kulinarischen Enttäuschung fahre ich weiter ins nicht weit entfernte Hameln, auch wieder zum großen Teil am Wasser. Dort fallen mir die Fahrradboxen auf. Nur nützen die mir nichts, da ich kein Bügelschloss dabei habe. Nach etwas Geschiebe mache ich schließlich das gleiche wie die meisten anderen Radtouristen. Ich stelle meine Fuhre einfach an einem geeigneten belebten Platz ab. An dem schweren Ding wird sich schon keiner vergreifen. So flaniere ich also ganz entspannt durch die schönste Stadt dieser Tour. Am Ende genehmige ich mir dann schließlich einen Eiskaffee und decke mich mit Vorräten ein. Dabei fällt mir auf, dass die Preise für Eis hier doch eine ganze Ecke niedriger sind als bei mir zu Hause in Oldenburg.

Nach der längeren Pause am frühen Nachmittag fahre ich schließlich weiter. Der Tag ist noch jung und ich fühle mich gut, also wird es wohl der übernächste oder sogar erst der überübernächste CP werden. Die folgende Strecke ist echt schön. Sie führt sehr viel am Wasser entlang und die Berge kommen auch immer näher. Nach einer Weile komme ich schließlich am AKW Grohnde vorbei.

Etwas weiter komme ich auch mitten durch einen der in Erwägung gezogenen CPs. Aber ich fühle mich noch fit, der Platz sieht nicht besonders toll aus und weniger als 3 km vom AKW nächtigen muss ja auch nicht sein. Am Ende lande ich dann schließlich auf dem Campingplatz am Ende von Bodenwerder. Der liegt sehr schön direkt an der Weser. Man kann sich für sein Zelt einfach irgendeinen freien Platz suchen. Ich entschiede mich für einen zwischen einer kleinen Kirsche und einem anderen Radler. Mit den gegenüberliegenden (Dauer?-)Campern entsteht auch gleich ein nettes Gespräch. Der Zeltaufbau läuft heute noch etwas flotter und auch etwas perfekter als gestern. Auf diesem Platz sind auch wieder viele Radler.
Ich gehe danach zunächst einmal am Kiosk / an der Gaststätte was trinken. Sitzen kann man da nur draußen oder in Pavillons, aber das stört bei dem Wetter ja kein Bisschen. Schließlich ist es auch Zeit zu duschen. Der Spaß läuft hier über Marken und kostet €1 für 10 Minuten. Für mich reicht die Zeit. Am Abend habe ich noch weniger Hunger als gestern und esse zunächst gar nichts. Ich setzte mich ans Wasser und komme mit dem neben mir campierenden Radler ins Gespräch. Der ist schon sehr erfahren und schafft auch Kilometerleistungen, von denen ich nur träumen kann. Wir unterhalten uns sehr lange über meine Ansätze und seinen Erfahrungsschatz. Als die Sonne weg ist, begeben in unsere Zelte. Mir fällt da noch auf, dass meine Wäsche leider noch sehr feucht ist. Durch einen direkt gegenüberliegenden Berg liegt der CP nämlich sehr früh im Schatten. Jetzt habe ich doch noch etwas Hunger und esse zwei Müsliriegel und trinke einen halben Liter Milch.

Tagesstrecke: 81 km
Fahrtzeit: 4:42 h
Wetter: heiß, sonnig, Gegenwind
Pannen: 0
Übernachtungskosten: €11,00 (Campingplatz an der Himmelpforte)

Tag 5: Bodenwerder – Oedelsheim
Morgens ist es ziemlich bewölkt und die Wäsche ist natürlich auch nicht trockener geworden. Zum Frühstück gibt es eine ordentliche Portion von dem seit Oldenburg mitgeschleppten Müsli (muss ja auch mal weg) und den anderen halben Liter Milch (ebenfalls seit OL an Bord).

Abbauen und einräumen geht wieder recht schnell. Diesmal muss ich auch nicht lange an der Rezeption rumstehen, habe ja schon gestern bezahlt. Zeitlich ist wieder alles ähnlich wie an den vorherigen Tagen. Allerdings ist es recht kühl, so dass ich nach gut einer halben Stunde anhalte und mir ein Unterhemd unterziehe. Irgendwie läuft es auch etwas zäher und ich sehne mich nach der Hitze der letzten Tage. Beim Umziehen hat sich dann auch noch ein nettes Gespräch mit einem Elektroradler-Paar ergeben.

Pünktlich zum zweiten Frühstück lande ich in Holzminden. Die Stadt sagt mir trotz einiger Fachwerkbauten nicht sonderlich zu und so hole ich mir sogleich bei einem Bäcker am Markt wieder eine ähnliche Verpflegung wie gestern und konsumiere diese draußen auf Stühlen von denen. Nach der kleinen Enttäuschung fahre ich schnell weiter immer direkt am Fluss entlang zum nicht weit entfernten Kloster Corvey. Dieses entschädigt dann gleich wieder.

Weiter geht es auf einem promenadenartig ausgebauten Weg ins Nahe Höxter. Dort fahre ich rauf in die erhöht gelegene Altstadt. Aber diese ist auch nicht viel attraktiver als die von Holzminden.

Also geht es auch hier bald weiter, wiederum immer sehr flussnah. Mittags komme ich am Fährhaus in Wehrden an und kehre dort zum Essen ein. Die Karte ist recht rustikal. Aber das Essen, in meinem Fall Ofenkartoffel mit Matjes und Salat, ist frisch zubereitet und richtig lecker. Also das genaue Gegenteil im Vergleich zu gestern. Nach einer ausgiebigen Pause fahre ich weiter nach Beverungen. Dort Ort ist wieder ganz nett, allerdings auch völlig tot.

Vorbei am nächsten AKW, diesmal allerdings einem stillgelegten, geht es Richtung Bad Karlshafen. In Herstelle nutze ich weder die Brücke noch die Fähre und lande dadurch schließlich auf dem Radweg an der stark befahrenen Bundesstraße. Als ich nach Hessen rein komme, fällt mir dann gleich auf, daß die Beschilderung des Weserradweges fehlt. Es gibt nur die Bundeslandeigenen. (Dies wird leider auch im gesamten hessischen Abschnitt so bleiben.) In Bad Karlshafen schaue ich mich wieder ein wenig um und mache Pause in einem Eiskaffee. Dabei fällt mir auf, dass die Preise hier wieder noch ein Stück niedriger sind.

Nach der Pause suche einen Markt, um mich zu versorgen. Ich sehe am anderen Flussufer auf einer Anhöhe ein paar Hinweisschilder und radle da hinauf. Als ich aus dem Markt hinaus komme, fängt es gerade an zu donnern und zu blitzen und wenig später setzt auch schon der Regen ein. Ich warte unter dem Unterstand, unter dem ich mein Rad zum Einkaufen geparkt hatte und komme kurz mit einem radelnden Paar aus den Niederlanden ins Gespräch. Das Paar fährt schließlich weiter trotz Gewitter und ich überlege, ob ich auf den direkt am Markt gelegenen Campingplatz gehe. Das Gewitter scheint nicht näher zu kommen und ich entscheide mich, weiter zu fahren. Ich streife also die Regenjacke über und rase dank Rückenwind (der erste der ganzen Tour) und Gefälle mit hoher Geschwindigkeit durch den Regen. An der kurzen Extremsteigung in Gewissenruh steige ich dann mal ausnahmsweise ab und schiebe den Berg hoch. Oben angekommen denke ich aber, dass ich das wohl doch geschafft hätte. In Gieselwerder ist das Gewitter doch wieder recht nahe und ich nutze einen größeren Unterstand, an dem sich schon einige einheimische Radler versammelt haben. Ich denke wieder darüber nach, den Campingplatz vor Ort anzusteuern oder aber den nächsten, 4 km weiter. Im Gespräch mit den anwesenden erfahre ich schließlich, dass der in Oedelsheim wohl gut sein soll und fahre, als das Gewitter nachlässt, im Regen weiter. Am Ortseingang finde ich dann sogleich den direkt am Weg gelegenen CP. Der sieht tatsächlich gut aus und der nächste wäre dann auch erst 15 km entfernt. Auch hier wird gleich bei Anmeldung bezahlt und mir wird dann eine der drei Zeltwiesen zugewiesen. Ich darf hier direkt am Wasser campieren und habe auch noch Bank und Tisch nebenan. Da es noch regnet warte ich erst mal etwas ab und nach kurzer Zeit tröpfelt es nur noch und ich mache mich an das Aufbauen. Die anderen ankommenden Radler werden komischerweise auf andere Teile des Platzes geschickt. Aber ich komme noch mit anderen Campern dort ins Gespräch.

Tagesstrecke: 88 km
Fahrtzeit: 4:34 h
Wetter: warm, bewölkt, Gewitter, meist Gegenwind
Pannen: 0
Übernachtungskosten: €11,00 (Campen am Fluss)

Tag 6: Oedelsheim – Hann. Münden
Der Tag beginnt nebelig und damit auch etwas kühl. Das Morgenritual habe ich inzwischen gut drauf und fahre wie in den Tagen zuvor los. Die Strecke heute Morgen erweist als sehr hügelig. Auf dem relativ kurzen Stück nach Hann. Münden sammle ich mehr Höhenmeter als in allen Tagen zuvor zusammen. Aber es geht auch immer wieder steil hinab, wo ich dann richtig schnell werde. Auch scheint es mir, als wenn es in der Gegenrichtung noch etwas anspruchsvoller wäre. An einem starken Gefälle steht auch ein Schild, dass Radfahrer absteigen sollen. Ich komme dem nach und schiebe mein Rad hinunter. Unten erweist sich das als durchaus richtig. Der Abhang endet nämlich in einer sehr rutschigen Kurve. Ein paar Kilometer und Hügel weiter begegne ich einer Familie, die teilweise auf Hollandrädern unterwegs ist und denke mir, dass die bestimmt noch ihren Spaß haben werden. In Hann. Münden angekommen will ich erst mal zum Weserstein. Die Wegführung dahin erweist sich als etwas umständlich und auch teilweise nicht gerade verkehrsarm. Aber gut ausgeschildert ist sie.

Danach betrachte ich mir noch die schöne Altstadt und genehmige mir wieder ein zweites Frühstück bei einem Bäcker.

Am Mittag begebe ich mich dann zum Bahnhof und trete die Bahnreise nach Oldenburg mit Umstiegen in Göttingen und Hannover an. Zuvor kämpfe ich aber noch mit dem Fahrkartenautomaten. Der steht nämlich genau so in der Sonne, dass man das Display nur schwer ablesen kann.

Tagesstrecke: 30 km
Fahrtzeit: 1:48 h
Wetter: warm, Gegenwind
Pannen: 0
Fahrtkosten: €27,00 (Niedersachsenticket + Fahrradkarte)

Gesamtfazit:
Nachdem ich mir am dritten Tag dann endlich einen guten Tagesrhythmus zurecht gelegt hatte, lief es sehr gut. Ich weiß jetzt, wie man so was am besten angeht. Das Zelten war auch gut, ich fand es sogar besser als im Zimmer. Es ist luftiger und passt irgendwie besser zum Reiseansatz. Aber ich will da auch nicht zu dogmatisch werden. Es kann ja auch mal das Wetter richtig mies sein. Insgesamt war mir die Reise allerdings auch etwas zu kurz. Ich hätte wohl noch ein paar Tage länger fahren können. Aber ohne Vorbereitung wollte ich das auch nicht wagen. Zudem hat das Rad auch noch einen Werkstatttermin. Es hat sich auch bestätigt, was ich im Prinzip schon wusste: Große Hitze macht mir nichts aus. Ganz im Gegenteil, mein Körper, vor allem die Muskulatur, ist ab 25°C aufwärts erst so richtig zufrieden. Ich habe mich und meinen Körper auch mal so richtig kennen gelernt. Außerdem konnte ich sehr gut abschalten und den Alltag hinter mir lassen, viel besser als zu Hause.
Der Weserradweg hat sich als sehr gute Wahl für einen blutigen Anfänger wie mich herausgestellt. Er ist sehr gut ausgebaut und beschildert. Es gibt auch reichlich Gaststätten, Bäckereien und Einkaufsmöglichkeiten. Man begegnet vielen anderen Radreisenden, mit denen man sich dann austauschen kann. Die kleinen Steigungen waren für mich schon sehr ungewohnt, aber nichts, was man nicht mit einem vernünftigen Rad bewältigen kann. Der Gegenwind hat mir zwar nicht viel ausgemacht, er war ja auch nicht sonderlich stark. Allerdings sollte man bei solchen hochsommerlichen Wetterlagen doch lieber flussabwärts fahren. Der Wind weht dann nämlich immer aus südlichen Richtungen (was mir dann am zweiten Tag auch eingefallen ist). Der Blick auf die Berge flussaufwärts war aber was Schönes.
An Ausrüstung habe ich ein klein wenig zu viel mitgenommen. Ich hatte mich aber auch darauf eingestellt, dass es eventuell kälter oder regnerischer wird. So richtig viel zu viel habe ich jedenfalls nicht mitgenommen. Gefehlt hat auch kaum was. Da hat sich das Informieren doch ganz gut bezahlt gemacht.