ein Radreiseneuling auf dem Weserradweg – Teil 1

Dauer: 6 Tage
Zeitraum: 20.7.2013 bis 25.7.2013
Entfernung: 452 Kilometer
Bereiste Länder: Deutschland
Externe URL: Album bei Google

Das Vorgeplänkel:
In diesem Jahr hatte es sich bei mir festgesetzt, dass ich auch mal eine Radreise unternehmen möchte. Bisher hatte ich nur Tagestouren mit einer maximalen Streckenlänge von 65 km im extrem platten Terrain hier unternommen und auch nur selten mal zwei Tage in Folge. Also habe ich das Internet durchforstet nach Informationen, vor allem das Radreise-Wiki und dieses Forum. Für den Anfang sollte es etwas sein, was nicht allzu weit von zu Hause entfernt ist und etwas, von dem man wenn es nicht gut klappt, schnell mal mit dem Zug wieder zurück reisen kann. Die Wahl viel dann schließlich auf den Weserradweg, und zwar flussaufwärts ab Bremen. Dafür habe ich mir dann auch noch den Bikeline-Führer besorgt. Gezeltet habe ich seit meiner Jugend nicht mehr und die ist ja auch schon ein Weilchen her, aber ich habe mir dann ein Zelt von einem Bekannten geliehen. Der war auch schon öfter mal auf Radreise mit seiner Familie und hat daher auch ein kleines leichtes von Wechsel. Bei dem anderen Equipment brauchte ich nur wenig aufrüsten, vieles hatte ich schon, auch leichte, schnell trocknende Funktionsbekleidung. Kochen wollte ich nicht, die Strecke ist dicht genug besiedelt und touristisch erschlossen, dass es genug Einkaufsmöglichkeiten gibt und nicht allzu teure Möglichkeiten für eine warme Mahlzeit. Also habe ich dann alles was mir wichtig schien eingepackt. Das hat dann auch alles gut in meine Backroller und mein Rackpack gepasst. Das Gewicht habe ich nicht gewogen, aber es war schon recht ordentlich.

Tag 1: Oldenburg – Daverden
Für den ersten Tag hatte ich gleich ein festes Ziel, nämlich den Besuch bei meinem Vater in meinem alten Heimatdorf. Außerdem gibt es keinen durchgängig beschilderten Radfernweg auf der Route. Ich wollte zudem ab Bremen auf dem Weserradweg einsteigen, so dass ein kleiner Umweg von ca. 10 km auch noch sein musste. Also habe ich mir per GPSies mit Hilfe der OCM eine Route von knapp 94 km gebastelt und mich dann von meinem Handy mit OSMand navigieren lassen.
Morgens um 9.00 Uhr war das Rad schließlich bepackt und ich fahre bei etwas kühler Witterung erst auf einer ruhigen Nebenstrecke durch die fast leere Stadt. Beim Anblick des Verkehres in der Innenstadt denke ich mir dann, dass ich auch an der Hauptstraße hätte fahren können. Da fallen mir dann aber auf dem weiteren Weg die Bordsteinabsenkungen ein, da ich hier einige überwinden muss. Das schwere Rad ist anfangs recht ungewohnt, vor allem in Kurven, fährt sich aber sehr stabil und das Mehrgewicht merke ich nur beim Anfahren. Unterwegs merke ich dann, dass ich nicht immer eine gute Wahl getroffen habe, was die Wege angeht. Einige erweisen sich als schmale Waldwege oder recht holprige Feldwege entlang eines Kanals.

Kurz vor Hude gibt es den verzeichneten Weg durch ein Waldstück dann zur Krönung gar nicht und ich umfahre den Wald dann auf dem Radweg an der Hauptstraße. Unterwegs sind mir hier und da auch Hinweisschilder auf den Radfernweg Groningen-Oldenburg-Bremen begegnet. Westlich von Oldenburg sind die mir noch nie begegnet. Trotz aller Widrigkeiten komme ich dann aber gut in Hude an und gucke mir dort kurz die Klosterruine an. (Ich hätte natürlich ab dem Oldenburger Stadtrand auch der Radweg-Beschilderung Richtung Hude folgen können, aber ich bin ja manchmal auch Stur, wenn ich mir was ausgedacht habe.) Zwischendurch ist es angenehm warm geworden, so dass ich etwas Kleidung ablege.

Hinter Hude wird die Strecke dann auch ein klein wenig welliger, aber nichts, was mich vor Probleme stellt. Da die Ortsdurchfahrt von Delmenhorst echt gruselig ist, hatte ich mir eine Umgehung am nördlichen Rand ausgedacht. Mit der habe ich einen Volltreffer gelandet. Es geht durch einige nette kleine Dörfer und auf guten Wegen durch ein paar Wälder. Hier macht es richtig Spaß zu fahren. Das Stück durch Bremen dann ist nicht sonderlich schön. In Huchting geht es noch einigermaßen, aber ich fahre halt weite Strecken entlang einer Hauptstraße. In Grolland wird dann zwar der Verkehr weniger, aber dafür ist es dank Gewerbegebieten und schlechter Wege deutlich schlimmer zu fahren. Hier bemerke ich dann ein kratzendes Geräusch hinten, kann das zunächst aber nicht genauer lokalisieren. Etwas später weiß ich dann, was es ist, als sich der Gepäckträger nach hinten verabschiedet. Ich lade also das ganze Gepäck ab und gucke mir das Problem genauer an. Die Muttern am Gespänge zum Rahmen haben sich gelöst und ich habe natürlich genau den dazu passenden Maulschlüssel nicht dabei. Ich versuche den Gepäckträger also wieder raufzuschieben und zumindest noch etwas weiter zu kommen. Nach wenigen 100 Metern rutscht er aber wieder ab. Genervt lade ich also wieder ab und schiebe das Ding wieder rauf. Diesmal aber mit deutlich mehr Schmackes, so dass er auch deutlich stärker klemmt. Am Mittag erreiche ich schließlich das Zentrum von Bremen und mache auf der Weserpromenade meine Mittagspause mit Broten, die ich mir morgens zu Hause noch geschmiert hatte. Ich überlege mir, ob ich nicht noch einen Fahrradschrauber aufsuchen soll und suche mir schon mal einen per Schlaufon raus. Da sich das Teil aber auf den letzten paar Kilometern nicht mehr bewegt hat, bin ich mutig und fahre so weiter.

Als ich weiter fahre, fällt mit dann nach ein paar Metern schlagartig ein, dass samstags ja immer Flohmarkt auf der Promenade ist. Ich steige als ab und schiebe etwas Missmutig mein Rad durch die Menschenmassen. Nachdem ich oben auf der Rampe hoch von der Promenade ankomme, kann ich auch endlich wieder aufsteigen und nach einem kurzen Stück über die Erdbeerbrücke wieder die linke Weserseite erreichen. Danach dann noch über die Ampel und dann bin ich endlich wieder auf einem Radweg abseits der Straße. Hier fährt es sich dann richtig toll auf dem Deich an der Weser auf tollem Untergrund und mit tollem Ausblick. Zwischendurch bin ich nur einmal kurz verwirrt, als wegen wenigen Metern Feinschotter ein Hinweisschild auf schlechte Wegstrecke auftaucht. Bei uns in Oldenburg sind die Feinschotterwege normal und auch in keinem so guten Zustand wie dort und dafür werden nicht extra solche Schilder aufgestellt.
Als ich Bremen verlasse fällt mir dann zum ersten Mal so richtig der Gegenwind auf. Was ich noch nicht weiß, aber ahne: Dieser wird mein ständiger Begleiter auf der ganzen Tour werden. Hier fahre ich dann längere Zeit hinter dem Deich lang, bis die Strecke schließlich kurze Zeit später nicht mehr jede Flusswindung mitmacht und sich etwas weiter von diesem entfernt. So richtig schön ist der größte Teil dieser Strecke allerdings nicht, man entgeht auch nicht immer dem Verkehr. Als ich Thedinghausen erreiche merke ich dann auch inzwischen die bisher geleistete Strecke und mache am Erbhof nochmal wieder etwas länger Pause.

Es sind allerdings keine 20 km mehr bis zum Tagesziel, so dass ich dann auch bald weiter fahre. Den Schlenker des Weserradweges über Achim und Verden hatte ich schon von vornherein nicht eingeplant. Da ich in der Gegend aufgewachsen bin, kenne ich das ja alles in und auswendig. Ich fahre also eine Abkürzung und nicht in Achim, sondern erst eine Brücke weiter in Intschede über die Weser. Außerdem ist der Aufstieg die Geestkante hoch nach Achim schon ziemlich steil und auch länger als der von mir angepeilte. An der Abzweigung nach Achim denke ich dann, dass das wohl grundsätzlich eine gute Wahl war, die Brücke ist nämlich gesperrt wegen Baumaßnahmen um den Übergang hochwassersicher zu machen und an den Schildern kann man kann man nicht erkennen, ob Fahrräder die Strecke passieren können. (Am nächsten Tag erfahre ich dann, dass man mit dem Rad da lang kommt.) Etwa 15 km vorm Ziel geht es mir dann richtig schlecht und ich schleppe mich nur noch langsam voran. Auch die zusätzlichen Pausen zur Flüssigkeitszufuhr (mache normalerweise alle 30 Min. eine Trinkpause) ändern da nicht viel dran und an den Süßkram in meinen Taschen denke ich komischerweise nicht. Netterweise gibt es hier auch kilometerweit überhaupt keinen Schatten. Bis zur einspurigen Brücke und auf diese hinauf quäle ich mich dann irgendwie. Die Pause dort oben wegen roter Ampel kommt mir dann wie gerufen. Als diese umspringt auf grün lasse ich erst mal die vielen Autos vorbei (die andere Brücke ist ja gesperrt) und halte dann noch etwas den Gegenverkehr auf. Die Abfahrt ist leider sehr kurz und danach folgt gleich wieder ein Aufstieg zur nächsten Brück über einen Kanal. Der Anstieg geht noch einigermaßen, aber das schlimmste steht mir ja noch direkt am Schluss bevor: Der kurze, aber knackige Anstieg hinauf ins Dorf. Bei dem bin ich dann schon so fertig, dass ich vorne aufs kleine Blatt gehen muss. Oben angekommen rolle ich dann die letzten paar hundert Meter zu meinem Tagesziel. Dort bin ich dann froh, dass ich gleich gut versorgt werde mit Zuckerbrühe, einer Dusche und später mit einem ordentlichen Abendbrot. Das ist halt der Vorteil, wenn man einen seiner nächsten Verwandten besucht.

Tagesstrecke: 98 km
Fahrtzeit: irgendwas knapp über 5:30 h (hatte kein Tracking aktiv und das nicht vom Tacho abgeschrieben)
Wetter: heiß, sonnig, teilweise Gegenwind
Pannen: 2 (Gebäckträger)
Übernachtungskosten: €0,00 (Verwandtschaft)

Tag 2: Daverden – Nienburg
Da gestern die Strecke ja doch etwas zu lang für mich war, habe ich mir dann für diesen nur ca. 60 km bis Nienburg vorgenommen. Außerdem ist ja Sonntag und da ich bei meinem Vater übernachtet habe, will ich ja auch gemütlich mit denen frühstücken. Nach dem Frühstück repariere ich dann noch vernünftig meinen Gepäckträger (der übrigens auf dem Restweg gestern gut gehalten hat). Die beiden Haltemuttern waren doch sehr lose. Den passenden Maulschlüssel nehme ich zur Sicherheit mit. Mein Vater hat da eh noch zwei weitere von. Um 11.00 Uhr sitze ich dann schließlich auf dem Rad. Heute will ich dann auch nur auf dem Weserradweg fahren und mich an den Schildern orientieren. Das Navi aktiviere ich also nicht, dafür aber das Tracking. Zunächst nehme ich aber eine kleine Abkürzung über Intschede und Amedorf. Nach Verden muss ich nicht, da bin ich schließlich 7 Jahre zur Schule gegangen und ich spare so rund 5 km. Ich rolle also gleich am Anfang den Abhang hinunter, auf den ich mich gestern Nachmittag herauf gequält hatte. Das macht dann doch gleich mehr Spaß. Auf der Brücke ist am Sonntagmorgen auch deutlich weniger los, so dass ich heute da kein Verkehrshindernis darstelle. Ab Oiste bin ich dann auch auf dem regulären Weserradweg und auch in richtig unbekanntem Terrain, südlich davon war ich nämlich noch nie mit dem Fahrrad. Über die Dörfer rollt es sich auf kleinen Nebenstraßen angenehm dahin. Die Beschilderung des Weserradweges ist hier wirklich hervorragend, nie kommen irgendwelche Fragen auf, wo man denn hin müsste. Schatten ist in der Marschlandschaft leider wieder Mangelware. Der Gegenwind ist auch wieder da, stört aber nicht sehr stark.

Zur Mittagszeit bin ich in Hoya. Als ich dort an einem Schild ‚Fahrradrastplatz‘ vorbei komme, entscheide ich mich dort anzuhalten und mein Mittag einzunehmen, mein wieder am Morgen geschmiertes Brot. Dort begegnet mir auch die erste nennenswerte Zahl an Reiseradlern auf der Tour. Der Rastplatz gehört zu einem Eiscafé und liegt etwas erhöht direkt an der Weser. Ein Sonnensegel bringt auch etwas Schatten in der Mittagssonne. Endlich kann ich den Fluss auf mal etwas betrachten. Es tuckern ein paar Binnenschiffe vorbei und ich habe direkten Blick auf das Schloss.

Diesmal mache ich auch etwas länger Pause. Danach geht es dann quer durch Hoya unter anderem an der Hauptstraße entlang. Hinter dem Ort geht es aber wieder über sehr ruhige Nebenstraßen. Nur wenige Kilometer weiter mache ich in Bücken die nächste kleine Pause. In die Kirche komme ich allerdings nicht rein, wegen Renovierung geschlossen.

Im Weiteren geht es dann ähnlich weiter mit wenig Schatten, vielen Feldern und Wiesen und nur ganz selten so nah an die Weser ran, dass man sie erahnen kann. Ab Sebbenhausen geht es dann entlang eines Schleusenkanals. Die Streckenqualität ist da leider nur mäßig, es geht ein paar Mal an Straßen leicht auf und ab und die Auf- und Abfahrten sind mit grobem Kopfsteinpflaster versehen. In Marklohe lotst einen die Beschilderung dann einmal quer durch das ganze Dorf. Das fällt mir aber erst beim Blick auf die Karte auf. Die benötige ich nämlich, da am Ende des Dorfes plötzlich die Beschilderung des Weserradweges fehlt. Ich finde dann aber den richtigen Weg und etwas weiter ist dann zumindest Nienburg ausgeschildert. Jetzt geht es über geschotterte Wege mit vielen Abzweigungen durch die Felder und Wiesen. Landschaftlich nicht sonderlich spektakulär, aber doch etwas schöner als vorher. Irgendwann geht es dann in einen Wald. Dort ist es wirklich schön und auch trotz Waldweg gut zu fahren. Ich bin dann auch endlich mal wieder an der Weser gelandet. Als ich an der ersten Weserbrücke dann Nienburg erreiche, ist auch endlich wieder der Weserradweg ausgeschildert. Nach wenigen gewerblichen Gebäuden erreiche ich dann die Innenstadt von Nienburg. Es ist mitten am Nachmittag also entscheide ich mich in ein Café zu gehen. Direkt vor der Fußgängerzone lockt mich ein nett aussehendes, unter vielen Bäumen gelegenes und ich genehmige mir dort ein Eis und ein Malzbier. Ich rolle dann noch durch die schöne Altstadt zum direkt am Weserradweg gelegenen Naturfreundehaus. Ich hatte ursprünglich vorgehabt, dort mein Zelt aufzuschlagen. Aber als ich dann von den sehr günstigen Preisen höre entschiede ich mich spontan ein Zimmer zu nehmen und auch das Frühstück. Frisch geduscht fahre ich dann am Abend noch mal in die Stadt rein um noch ein Fotos zu machen und auch was zu essen. Als ich den Hinweis zum großen gelben M sehe, entscheide ich mich da hinzufahren. Am Naturfreundehaus ist der UMTS-Empfang sehr schlecht und beim M gibt’s ja schließlich WLAN. Das erweist sich jedoch als Trugschluss, trotz Hotspot-Hinweis-Aufklebern findet mein Tablett dort kein WLAN. Aber immerhin ist dort der UMTS-Empfang ganz ordentlich. Am Ende des Tages sitze ich noch draußen auf der Terrasse des Naturfreundehauses und plane meine Strecke für morgen. Ich fühle mich heute Abend auch richtig gut. Dort komme ich dann noch ins Gespräch mit einem anderen Radreisenden, der mit seinem Sohn unterwegs ist. Überhaupt sind sehr viele Radreisende dort. So klingt der Abend nett aus.

Tagesstrecke: 68 km
Fahrtzeit: 3:45 h
Wetter: heiß, sonnig, Gegenwind
Pannen: 0
Übernachtungskosten: €21,00 inkl. Frühstück (Naturfreudehaus Nienburg)

Tag 3: Nienburg – Porta Westfalica
Heute geht es deutlich früher los. Beim offiziellen Frühstücksbeginn um 8.00 Uhr bin ich dann auch unten und um 9:15 Uhr sitze ich dann auch schließlich auf dem Rad. Nach den Erfahrungen der letzten beiden Tage habe ich mir vorsichtig vorgenommen, bis Minden zu kommen und dann mal zu gucken, ob es noch weiter geht. Allerdings gibt es zwischen Petershagen und Porta auf ca. 30 km keinen Campingplatz und bis zu ersterem ist es mir mit rund 50 km die Strecke doch deutlich zu kurz. Da wäre ich dann ja schon mittags. Ich bin schnell aus Nienburg raus, allerdings auch gleich wieder recht weit von der Weser weg. Ich rolle wieder auf flacher Strecke an Wiesen und Feldern (hier viel Spargel) vorbei und auch mal durch kleinere Waldstücke und kleine Dörfer. Alles aber weiterhin recht unspektakulär. In Leeseringen lege ich dann eine kleine Ehrenrunde ein, weil der Weserradweg an einer Kreuzung mehrfach ausgeschildert ist und ich zu blöd bin auf die normalen Fahrradwegweiser zu gucken. In Estorf gucke ich mir dann noch kurz das historische Scheunenviertel an. Kulturhistorisch wohl etwas Besonderes, aber architektonisch entspricht das dem üblichen Stil für Scheunen an der Mittelweser (zur Erinnerung: Ich bin an der Mittelweser aufgewachsen).

Auf das ehemalige Kloster Schinna habe ich keine Lust und fahre nicht in den Ort hinein sondern weiter auf der Hauptroute des Weserradweges. Der Umweg wäre allerding nur sehr klein gewesen. Unterwegs komme ich der Weser sogar ein paar Mal recht nahe. Allerdings muss ich auf der Rückseite des Deiches bleiben. Dort gibt es dann öfter mal Windschatten. Dummerweise fällt da dann auch die leichte Kühlung des Windes weg. Dann doch lieber wieder den Gegenwind. So stark ist der dann ja auch nicht und als Norddeutscher ist man den eh gewöhnt. Am Ortsrand von Schlüsselburg gibt es dann das nächste Scheunenviertel. Aber das ist dem vorherigen natürlich sehr ähnlich.

Was mir auf dem Weg heute vor allem auffällt, sind viele Kieswerke und Kraftwerke. Einmal geht es sogar direkt unter den röhrenden Förderbändern hindurch. Petershagen ist dann schließlich der nächste erwähnenswerte Ort. Dort ist es tatsächlich ganz nett und es ist auch zumindest ein bisschen was los. Ich gucke auf die Uhr. Es ist kurz vor zwölf und ich denke mir, dass ich dann wohl in Minden Mittag essen könnte. Die 20 km sind ja in einer Stunde zu schaffen.

Kurz hinter Petershagen komme ich dann endlich mal wieder richtig an die Weser. Die Strecke verläuft dort über mehrere Kilometer bis zum Wasserstraßenkreuz direkt am Wasser. Das ist wirklich sehr schön zu fahren dort. Kurz vor Minden bekomme ich dann allerdings dann noch einen kleinen Hungerast. Morgen werde ich dann also früher essen. Aber nun hat es keinen Zweck mehr. Es gibt es in der Stadt wieder was zu futtern und so fahre ich mit etwas verminderter Kraft bis da hin. Dort stelle ich mein Fahrrad in die Tiefgarage am Dom und darf mein Gepäck beim Aufsichtspersonal lagern. In der Stadt dauert es natürlich etwas, bis ich was gefunden habe, wo ich was essen möchte. Ich esse schließlich einen Döner, der sich aber als sehr mächtig heraus stellt. Nach dem Essen schlendere ich dann schließlich gemütlich durch die schöne Innenstadt. Gut dass ich das ohne Fahrrad mache, die ist nämlich sehr hügelig und es gibt auch einige Treppen.

Ich nutze schließlich noch die dortigen Einkaufsmöglichkeiten, um mich für den Abend zu versorgen. Ich trinke auch noch deutlich mehr als gestern und führe auch mehr Kohlenhydrate zu. Die Mittagspause lasse ich heute auch recht lang werden. Ich fühle mich nach der Pause noch recht fit und werde also noch bis zum Campingplatz in Porta weiter fahren. Ich steuere immer in Wassernähe auf den Weserdurchbruch zu. Nach oben zum Denkmal fahre ich allerdings nicht, dafür fehlt mir als Flachländler die Kraft und der Tag ist ja auch schon etwas älter.

Am Bahnhof von Porta verlasse ich über die dortige Brücke schließlich die Hauptroute. Der Bahnhof hat übrigens auch eine recht interessante Lage direkt am Fels. Die Nebenroute ist da dann aber auch wieder sehr gut ausgeschildert, so dass die Orientierung kein Problem ist. Nach ein paar Kilometern lande ich dann schließlich am direkt am Weg gelegenen Campingplatz. Dieser ist ziemlich modern ausgerüstet und zu ihm gehört auch ein Freizeitbad an einem See. Dementsprechend rennen da auch sehr viele Ausflügler im Eingangsbereich rum. Ich bekomme eine Parzelle zugewiesen in dessen Bereich auch noch ein paar andere Radler sind. Diese liegt in der prallen Sonne und ich komme beim Zeltaufbau doch noch etwas ins Schwitzen. Der Aufbau gelingt aber doch recht Problemlos, vor allem wenn man bedenkt, dass ich das seit 25 Jahren nicht mehr gemacht habe. Ich bemerke dann aber gleich, wie schnell sich so ein Zelt doch in der Sonne aufheizt. Also werden erst mal alle Lüftungsmöglichkeiten geöffnet und ich verziehe mich zum Ausruhen mit meiner Matte auf die gegenüberliegende, völlig leere und im Schatten liegende Parzellenreihe. Ein älteres Pärchen aus den Niederlanden hat sich auch dahin verzogen, aber ein richtiges Gespräch mag nicht aufkommen. Die anderen Radler sind grad nicht da, ich vermute die sind im Schwimmbad (dies wird sich später bestätigen). Ich habe keine Lust zum Schwimmen. Es wird da sicherlich auch extrem voll sein. Ich gehe also Duschen und bekomme beim Betreten des Sanitärgebäudes erst mal einen Hitzeschlag. Dort ist es nochmal deutlich wärmer als draußen (da sind es 35°C). Die Lüftungsanlage hat große Mühe das zu bewältigen, da muss wohl an der Isolierung ganz gut gespart worden sein. Ansonsten ist der Sanitärbereich aber top. Es ist alles ziemlich neu, sehr sauber und es gibt reichlich Dusch- und Waschkabinen. Die Abrechnung erfolgt hier minutengenau elektronisch über eine Karte, die ich bei der Anmeldung bekommen habe. Da ich nicht so übermäßig lange dusche, sind es bei mir am Ende €0,67 dafür. Durch die Hitze habe ich keinen großen Hunger, so dass ich nur eins der zwei gekauften Brötchen runter bekomme. Aber ich habe noch Durst und gucke mich noch nach etwas Kühlem um. Die Gaststätte hat leider am Montag (also heute) Ruhetag und beim Kiosk ist auch keiner zu sehen. Aber über die Rezeption soll man laut Aushang da doch noch einkaufen können. Dummerweise ist da auch gerade keiner. Nach einer Weile Beine in den Bauch stehen taucht dann aber doch noch jemand auf und ich versorge mich mit flüssigen Kohlenhydraten. Die anderen Radler direkt neben mir sind inzwischen auch am Zelt und meines liegt inzwischen im Schatten. Die beiden sind sehr mit kochen und sich selbst beschäftigt. Da kommt dann also auch kein Gespräch auf. Ich lasse den Abend dann also mit lesen und Musik hören ausklingen und verziehe mich als es dunkel ist dann in mein Zelt.

Tagesstrecke: 80 km
Fahrtzeit: 4:15 h
Wetter: sehr heiß, sonnig, Gegenwind
Pannen: 0
Übernachtungskosten: €15,17 (Campingplatz Großer Weserbogen)