vom Atlantik nach Basel – meist über den EV6: Vorbereitung und Anreise

Dauer: 21 Tage
Zeitraum: 21.8.2014 bis 10.9.2014
Entfernung: 1486 Kilometer
Bereiste Länder: Deutschland, Frankreich, Schweiz

Eine kleine Vorbemerkung vorweg: Die Reise ist nun schon anderthalb Jahre her. Daher ist natürlich nicht mehr alles so genau parat. Aber anhand meiner Notizen, Fotos und GPS-Tracks habe ich das so gut wie möglich versucht zu erinnern.

Um die Beiträge nicht zu überfrachten und um die Ladezeiten nicht zu sehr ausufern zu lassen, habe ich jeweils nur eine Auswahl an Bildern hier eingebunden. Das komplette Album ist hier zu finden: klick mich!
Außerdem gilt für alle Bilder, dass man zu einer größere Version durch klicken auf das Bild kommt.

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Die Vorbereitungen
Nach zwei kürzeren Radtouren entlang der Weser und durch Mecklenburg sollte es 2014 dann auf die erste richtig lange Tour gehen, und das auch noch ins Ausland. Nach Frankreich wollte ich schon immer mal wieder (ich war bisher nur einmal vor vielen Jahren in der Provence) und Schlösser und ähnliches haben mich schon immer fasziniert. Also viel die Wahl recht leicht: Es soll an die Loire gehen. Und da die Strecke nur an der Loire ja gar nicht mal so lang ist, entschied ich mich, die ganze Strecke des Eurovelo 6 in Frankreich zu fahren. Das schien nach den bisherigen Erfahrungen ein ganz gutes Pensum für drei Wochen Urlaub auf dem Rad zu sein.
Also machte ich mich an die Feinplanung der Strecke, besorgte Karten usw., ermittelte die Lage der Campingplätze, entschied, welche Sehenswürdigkeiten ich sehen möchte und so weiter. Dabei stellte sich schon heraus, dass ich ziemlich oft die Loire verlassen und an seine Nebenflüsse wechseln muss. Genaue Tagesziele habe ich mir dabei aber nicht gesteckt, man weiß ja nie genau, wie weit man kommt, sondern alles bewusst offengelassen. Die Liste der Campingplätze war dadurch z. B. recht lang geworden.
Zur Anreise wählte ich den Nachtzug von Hannover nach Paris (den es inzwischen leider nicht mehr gibt) und einen TGV von Paris zu meinem Startort. Letzterer war ganz einfach über die deutschsprachige Telefonhotline der SNCF zu buchen, ersterer ganz normal hier vor Ort. Für die Rückreise wählte ich einen Tagzug von Basel nach Bremen.
In den letzten Tagen vor der Abreise gab es dann nur noch die üblichen Sachen: letzten Proviant einkaufen, Packen, Fahrrad warten und ein paar Listen ausdrucken.

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Die Anreise

Tag 1 – 21.08.2014
IC Oldenburg-Hannover / CNL Hannover-Paris
ca. 5 km / quasi keine Höhenmeter

Am ersten Tag ging es dann abends um 19.35 Uhr los mit dem Intercity nach Hannover und da dann nach einiger Wartezeit in den Nachtzug nach Paris. Der Liegewagen war gleich neben dem mit dem Fahrradabteil, so dass ich keinen weiten Weg zu meinem Abteil hatte. Der Schaffner kündigte mir dann noch weitere Fahrgäste für mein Abteil in Göttingen an. Aber die kamen nicht, so dass ich das 4er-Abteil ganz für mich alleine hatte.

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Tag 2 – 22.08.2014
CNL Hannover-Paris / TGV Paris-La Baule-Escoublac
Auf dem Rad: La Baule-Escoublac – Saint-Brevin-les-Pins
32,5 km + ca. 7-8 km in Paris, 251 hm

Gut geschlafen habe ich nicht. Dafür hat der Zug doch etwas zu sehr gewackelt. Da der Zug erst um halb Zehn in Paris ankommt und ich auch nicht so schrecklich spät aufwache, habe ich noch reichlich Gelegenheit, zu frühstücken und mir die langweilige Landschaft entlang der Bahn anzugucken. In Paris komme ich am Ostbahnhof an, weiter geht es aber am Bahnhof Montparnasse. Ich muss also noch den Bahnhof wechseln. Dank des GPS-Tracks aus dem Radreise-Wiki ist es aber kein Problem, die knapp über sieben Kilometer in eineinhalb Stunden zu schaffen. Dank der Sommerferien ist der Verkehr auch nicht sonderlich stark und die (doch ziemlich schmalen) Fahrradstreifen und die freigegebenen Busspuren erlauben ein gutes Vorankommen durch das Zentrum der Metropole. Am Ostbahnhof war es ganz einfach rauszukommen aus dem Bahnhof, nämlich ebenerdig. Am Bahnhof Montparnasse stellt sich die Sache jedoch ganz anders dar. Den Eingang finde ich noch recht einfach. Aber dort muss ich dann ein Stockwerk nach oben. Dazu musste ich erstmal nach einem der wenigen Fahrstuhle suchen. Dieser stellte sich dann als recht kompakt hinaus, mein Fahrrad passte nur hochkant rein. Oben in der Gleishalle hieße es dann noch warten. Ich war recht früh da und die Franzosen kündigen das Gleis erst ca. 20 Minuten vor Abfahrt ankündigt, obwohl schon etliche Züge bereitstehen. (Wie sich herausstellen sollte, auch meiner.)

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Bis Nantes fuhr der TGV ohne Halt durch. Dort wurde der größere Teil des Zuges abgekoppelt und fuhr dann weiter zu den Badeorten der Côte d’Amour. Nach Studium des Bikeline zum Loire-Radweg hatte ich mich entschieden, nicht am eigentlichen Beginn dessen in Saint Nazaire an der Loire-Mündung zu starten, sondern einige Kilometer die Küste aufwärts im Badeort La Baule-Escoublac. (übrigens eine gute Entscheidung) Dort empfing mich beim Aussteigen aus dem Zug erstmal ein kräftiger Regenschauer bei doch sehr mäßigen Temperaturen. Und das Mitte August in einer in Frankreich beliebten Ferienregion. Aber in Deutschland war das Wetter den Sommer auch sehr bescheiden. Also habe ich die Regenklamotten übergeworfen und bin losgefahren. In den Badeorten gibt es überraschend wenig touristische Infrastruktur direkt am Strand, aber das konnte mir ja so oder so egal sein. Ich konnte einen halben Tag auf einer wirklich schönen Strecke am Meer entlang. Es ging dabei auch sehr viel auf und ab. Aber nichts, was man nicht auch als Flachländler bewältigen kann. Der Regen hörte recht schnell wieder auf und zwischenzeitlich kam dann auch noch die Sonne raus. Das war dann eine wirklich schöne Fahrt.

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In Saint Nazaire war die Strandpromenade noch ganz nett, aber der Weg durch das Hafengebiet war nicht sonderlich schön (verkehrlich aber komplett unbedenklich). Schließlich ging es mitten im Berufsverkehr dann zur Pont de Saint Nazaire (Pont = Brücke), die ich schon seit der Strandpromenade sehen konnte. Die Ausschilderung in den Kreiseln war dort etwas verwirrend, daher habe ich noch eine kleine Ehrenrunde dort eingelegt. Schließlich stand ich aber doch vor der Brücke. Da es dort auch keinen Radweg oder ähnliches gibt, hieß es dann, die 1,6 km lange Steigung mit im Schnitt 3,6% im dicken Verkehr und bei sehr starkem Seitenwind von rechts zu bewältigen. Das kostete einige Mühe, aber die Autofahrer fahren alle recht Geduldig und Nachsichtig. Auf der Abfahrt konnte ich dann auch richtig Gas geben, es ging ja fast schnurgerade Abwärts, so dass etwas über 50 km/h kein Problem waren. Auf der anderen Seite der Mündung ging es dann noch auf recht kurzer Strecke zum Campingplatz. Dort war es, obwohl Saint-Brevin-les-Pins eine Touristenhochburg ist, kein Problem einen Platz für das Zelt zu bekommen und es er war erstaunlich günstig, da es einen (Rad-)Wandererpreis gab, der auf deren Webseite ganz einfach mal verschwiegen wurde.

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