The Length of Japan: Kyushu

Tag 3 – 14.04.2017
Kumamoto – Kurokawa-Onsen
78,9 km – 1513 hm
Wetter: 14-24°C, sonnig

Eigentlich wollte ich ja über den Aso-Vulkan rüberfahren. Zwischen Kumamoto und dem Aso sowie rund um den Aso gab es wegen des Erbebens vor fast genau einem Jahr aber zahlreiche gesperrte Straßen. Im Hostel sagte man mir das und gab mir auch ein Infoblatt der lokalen Behörden. Auf den Vulkan rauf gab es nur eine offene Straße, so dass ich den Aufstieg ganz strich. Für den Weg in die Stadt Aso gab es nur eine wirklich sinnvolle Route. Die würde aber natürlich mehr Verkehr als normal haben.
Morgens ging es aber erstmal zur Burg. Diese wurde bei besagtem Erdbeben stark beschädigt, so dass man sie wahrscheinlich auf Jahre nicht von innen besichtigen kann. Aus dessen Webseite ging das aber leider nicht hervor. Von außen war es aber auch ganz schön. Und vor allem gab es wegen des ungewöhnlich kalten Frühjahrs in Japan selbst hier ganz im Südwesten noch etliche blühende Kirschbäume. Bei der Planung war ich noch davon ausgegangen, dass der Hanami schon vorbei sein würde.

Kumamoto Castle

Kumamoto Castle

Hanami

Danach ging es dann zu einem Outdoorshop und ich kaufte dort eine Gaskartusche. Die Auswahl ist übrigens größer als hier bei uns und die Preise sind die gleichen. Anschließen wurde noch Verpflegung für den Tag eingekauft.
Dann ging es raus aus Kumamoto und auf zur riesigen Caldera des Aso. Unterwegs war der Verkehr, wie erwartet, recht ordentlich. Aber schlimm war es nie. Unterwegs gab es noch einige Baustellen, teilweise mit Ampelregelung und außerdem massenweise blühende Kirschbäume. Nach und nach wurde es bergiger und später kamen auch einige Serpentinen. Schwer war die Steigung aber nie.

Aso Volcano

Zur Stadt ging es dann noch wieder einiges runter, die liegt nämlich in der Caldera. Dort besichtigte ich den Tempel.

Aso Temple

Aso Temple

In der Caldera war es ziemlich flach, aber ich musste ja auch wieder raus. Der Aufstieg weiter ins Innere der Insel war am Anfang etwas steiler, aber auch noch gut fahrbar. Später wurde es dann etwas flacher. Für alle Anstrengungen wurde ich aber immer wieder durch die tolle Landschaft entschädigt. Schließlich landete ich am Abend auf einem einsamen Campingplatz. Es war keine einzige Person da, die Sanitäranlagen außer Betrieb. Aber immerhin gab es fließend kaltes Wasser.

Tag 4 – 15.04.2017
Kurokawa-Onsen – Hayami
93,0 km – 1175 hm
Wetter: 10-27°C, heiter bis wolkig

Die Nacht war recht windig und dadurch recht kühl. Aber auf 1000 m und mit wenig Bewuchs eigentlich kein großes Wunder. Morgens habe ich dann kurz vor der Abfahrt noch jemanden angetroffen, der zum Platz gehört. Ich habe noch brav die Gebühr bezahlt (aber ob der Leistung eher unwillig).
Einige Kilometer ging es noch bergauf bis zur Passhöhe, aber die Steigung war wieder angenehm.

Makinoto Pass

Danach ging es dann erstmal längere Zeit bergab durch die schöne Berglandschaft. Ab und zu kam ich auch mal durch kleinere Ortschaften.

through the valley

Nach rund 50 km ging es dann noch mal wieder in einen Anstieg über einen Bergrücken am Yufu-dake. Alles wieder gut fahrbar und wunderschön.

Kyushu Mountain Road

Kyushu Mountain Road

Danach ging es dann in eine längere Abfahrt in Richtung Beppu und damit in Richtung Meer. Der Verkehr nahm dann auch langsam zu, als ich mich Beppu näherte. Dort guckte ich mir die Umi-Jigoku an, die Meereshölle. Es gibt dort mehrere dieser Höllen. Diese sind sehr heiße Quellen und dementsprechend dampft es dort auch. Da man für jede einzeln Eintritt zahlen muss, habe ich mir nur diese eine angeguckt.

Umi-jigoku

Spring

Anschließend ging es zu einem direkt am Meer gelegenen Campingplatz. Dort war ich noch rechtzeitig, um die Dusche nutzen zu können. Nach Feierabend des Personals sind die nämlich nicht mehr zugänglich (die Toiletten aber schon). Für mich wurden die auch extra aufgeschlossen. Am Campingplatz traf ich auch noch einen netten Japaner, mit dem ich mich eine Weile unterhalten habe.

Tag 5 – 16.04.2017
Hayami – Bungo Takada
70,2 km – 1232 hm
Wetter: 14-26°C, heiter

morning at the beach

Nachts hatte es ein wenig geregnet. Daher war das Zelt beim Einpacken noch leicht feucht und da es auf Sand stand unten auch ein wenig dreckig. Tagsüber sollte es aber trocken bleiben. Zunächst ging es auf gleicher Strecke leicht hügelig zurück in den nächsten Ort. Dort bog ich dann ins Landesinnere der Kunisaki-Halbinsel ab. Diese ist geprägt durch einen größeren Vulkan und dementsprechend gebirgig. Auf den ersten gut 20 km war das aber alles noch sehr angenehm zu fahren und eine gebirgige Landschaft ist immer schön fürs Auge. Danach folgten dann die ersten Kilometer mit zweistelligen Steigungsprozenten. Zum Glück waren es nur wenige und am Ende der Steigung wartete ein interessanter Tempel. Oberhalb des Tempels sind einige große Buddhabildnisse in den Felsen gehauen worden, die größten ihrer Art in Japan. Die Treppe hinauf aus Natursteinen ist allerdings sehr schlecht begehbar und mit den Metallplatten unter den Fahrradschuhen auch recht gefährlich.

Kumano magaibutsu

Kumano magaibutsu

Kumano magaibutsu

Danach ging es dann einige Kilometer bergab bis zum nächsten buddhistischen Tempel.

Taizo-ji

Taizo-ji

Taizo-ji

Danach wurde es dann richtig anstrengend. Es gab über etliche Kilometer mehr als 10% durchschnittliche Steigung und da Bergstraßen ja selten gleichmäßig verlaufen dabei dann auch Rampen von über 15%. Aber gelohnt hat es sich dann doch. Am Ende wartete ein schöner Tempel am Fuße des dominierenden Vulkans der Halbinsel.

Futago-ji

Futago-ji

Futago-ji

Auf dem Weg in die nächste Stadt musste ich dann nochmal über einen Großteil der steilen Straße vom Hinweg. Das war aber nötig, denn es gab sonst weit und breit keine regulären Übernachtungsmöglichkeiten. Dass es in Bungo Takada weder Campingplatz noch Hostel gibt, wusste ich schon aus meinen Vorplanungen. Aber es gibt ein günstiges Business-Hotel, in das ich mich dann einquartiert habe. Das Zimmer war auch recht gut. Die Kette scheint also recht empfehlenswert zu sein.

Tag 6 – 17.04.2017
Bungo Takada – Shimonoseki
103,9 km – 553 hm
Wetter: 18-22°C, fast durchgehend kräftiger Regenschauer

Morgens regnete es bereits als ich losfuhr. Aber bis zur nächsten Stadt war es nur ein leichter Regen. Dort besuchte ich den sehr schönen Shinto-Schrein. Der gewann durch den Regen sogar noch ein wenig an Atmosphäre.

Usa-jingu

Usa-jingu

Usa-jingu

Direkt nach der Besichtigung des Schreines fing dann der kräftige Regenschauer an, der noch bis weit in die kommende Nacht anhalten sollte. Aber es gab zum Glück keine weiteren Besichtigungspunkte mehr bis zur Nordostspitze von Kyushu, so dass für den Rest des Tages nur noch fahren, fahren, fahren angesagt war. Durch die angenehmen Temperaturen war das Fahren dann auch ganz gut aushaltbar, auch wenn nach einiger Zeit die Regenklamotten völlig durchnässt und damit funktionslos waren. Was die Sache nicht so angenehm gemacht hat, ist der sehr dichte Verkehr auf der meist nur zweispurigen (= eine Spur pro Fahrtrichtung) Straße und die vielen LKWs, die sehr oft nur mit wenigen Zentimetern Abstand überholt haben. Aber es gab auch keine sinnvolle Alternative dazu, also musste ich da durch und nach einer Weile nimmt das dann auch irgendwie hin.
In Kitakyushu überlegte ich noch kurz, ob ich nicht noch die dortige Burg angucken sollte. Angesichts des Wetters verwarf ich das aber schnell wieder und fuhr dann noch die letzten Kilometer, wieder im dichten Verkehr, weiter bis zur Meerenge zwischen Kyushu und Honshu. Dort führte mich der Track aus dem Internet zur Kanmon-Brücke. Über die dürfen aber gar keine Fahrräder fahren. Es stehen dort extra diverse Schilder und das Personal dort ist auch darauf eingestellt und erklärte mir, dass ich durch den Tunnel muss und wie ich dort hinkomme. Sie haben auch schon Zettel für solche Fälle. Dort tauchen also wohl öfter mal Radler auf. Ich bin dann also durch den nur ein paar hundert Meter langen Radfahrer- und Fußgängertunnel und auf der anderen Seite in Shimonoseki dann in ein sehr gutes Hostel, in dem ich fast alleine war. Im Hostel nutzte ich dann noch die kostenlose Waschmaschine und den Trockner.

Kanmon Bridge

Kanmon Tunnel

The Length of Japan: Planung und Anreise

Dauer: 33 Tage
Zeitraum: 12.04.2017-14.05.2017
Entfernung: 2031 km
Bereiste Länder: Japan

Es gibt auch wieder ein Web-Album mit zusätzlichen, nicht hier im Bericht eingefügten Fotos. Zu finden ist es hier.

Die Planung
Ostasien und dort insbesondere Japan standen schon lange auf der Wunschliste der Länder, die ich unbedingt mal bereisen möchte. Und durch den Unfall vom letzten Jahr hatte ich nun auch ganz sicher genug Geld auf dem Konto, um das auch umzusetzen. Nach etwas Recherche legte ich mich auf das späte Frühjahr fest, da das Wetter in Japan dann stabil gut und ausreichend warm ist. Einschränkend kommt noch hinzu, dass ich auf Grund meiner Ehrenämter meinen Urlaub in erster Linie in die Schulferien legen muss. Nach ein paar Absprachen mit meinen Kolleginnen und Kollegen sowie meiner Vorgesetzten, konnte ich dann auch einen ausreichend langen Zeitraum über die Osterferien meinen Urlaub sichern.
Die grobe Idee war schon länger klar: Ich würde überwiegend dem Track „Length of Japan“ vom Japan Cycling Navigator folgen. Dieser führt an den interessantesten Sehenswürdigkeiten vorbei. Nur die japanischen Alpen würde ich um die Jahreszeit schneebedingt nicht bereisen können, so dass ich dort die südlichere Alternative wählen musste. Nach einigem Studium von Reiseführern usw. habe ich dann die Hauptprioritäten gesetzt und hier und da die Strecke noch etwas verändert. Vor allem zwischen dem Fuji und Tokyo wollte ich eine andere Route fahren. Außerdem passte zeitlich noch eine kleine Verlängerung der Strecke rein, so dass ich nach etwas Suchen und Überlegen den Startort auf Kyushu etwas nach Südwesten verlagerte in die Stadt Kumamoto. Für die zusätzlichen Strecken suchte ich mir ein paar passende Routen bei GPSies zusammen.

Mit ein paar Alternativen, die ich zur Sicherheit auch noch geplant hatte, sah die vorgesehene Route dann so aus:

Nachdem das abgeschlossen war konnte ich dann auch meine Flüge buchen. Nach den Berichten, die man im Netz zum Fahrradtransport im Flugzeug lesen kann, lag meine Präferenz klar auf der Lufthansa. Bei der muss man das Rad nämlich nicht aufwendig für den Flug verpacken und teildemontieren. Darauf hatte ich insbesondere für den Rückflug keine Lust. Da sie dann auch eines der günstigsten Angebote auf der Strecke boten, wurde es dann am Ende auch tatsächlich die Lufthansa.

Tag 1 – 12.04.2017
Die Anreise
Luftibus-Transfer Oldenburg – Bremen
Flug LH2111 Bremen – München
Flug LH714 München – Tokyo-Haneda

Am späten Vormittag lies ich mich vom Luftibus zum Flughafen in Bremen bringen. Dort ging es mittags dann weiter nach München und von dort ging dann am Nachmittag der eigentliche Hauptflug nach Tokyo. Der Flug ging dann über Nacht und hauptsächlich über Sibirien. Nach Japan sind übrigens netterweise in allen Klassen grundsätzlich zwei Gepäckstücke erlaubt, so dass ich für das Fahrrad keine Extragebühr zahlen musste.

Tag 2 – 13.04.2017
Weiterhin Anreise
Flug NH645 Tokyo-Haneda – Kumamoto

In Japan muss man, wenn man aus dem Ausland einfliegt, immer am ersten Flughafen sein Gepäck in Empfang nehmen und durch den Zoll bringen. Das ist auch so, wenn man einen Anschlussflug innerhalb Japans hat. Da muss man dann nach dem Zoll sein Gepäck für den Inlandsflug wieder einchecken. Dies traf bei mir ja auch zu. Das ging aber alles reibungslos und auch relativ schnell. Das Gepäck konnte ich noch im internationalen Terminal einchecken und danach hatte ich dann genug Zeit, um mit dem Transferbus zum nationalen zu gelangen. Bevor ich rüberfuhr, habe ich mir aber noch eine Daten-SIM für Japan gekauft. Diese machen die Handynutzung unterwegs erheblich günstiger als beim Roaming und sind auch sonst recht erschwinglich.

A340

Kumamoto-Flughafen – Kumamoto-Stadt
19,5 km – 47 hm
Wetter: 18-22°C, heiter

Der Flug nach Kumamoto hatte ordentlich Verspätung und am Flughafen musste ich dann mein Fahrrad noch ein wenig zurechtmachen. Dadurch war es dann schon fast 18.00 Uhr, als ich am Flughafen losgefahren bin. Die von mir selbst geplante Strecke in die Stadt erwies sich als recht gut fahrbar. Wegen des sehr ungewohnten Linksverkehrs musste ich etwas vorsichtiger und umsichtiger als normal fahren. Was aber nicht so schön war, waren die extrem vielen Ampeln, die mich, da ich Nebenstraßen fuhr, praktisch an jeder Kreuzung ausbremsten.
Während der Fahrt brach dann die Dunkelheit über Kumamoto herein. Unterwegs deckte ich mich noch an einem Supermarkt mit etwas Verpflegung für den Abend und das kommende Frühstück ein. Das gestaltete sich ein wenig einfacher, als befürchtet. Das Angebot gab eigentlich alles her, was ich sonst so auf Radreise zu mir nehme und auf den Packungen sind auch genug Bilder, damit man so ungefähr weiß, was drin ist. Außerdem steht auch oft ein wenig in lateinischer Schrift drauf.
Gegen 19.30 Uhr war ich dann am bereits von zuhause gebuchten Hostel und wurde dort sehr herzlich in Empfang genommen. Das Hostel ist in einem traditionellen japanischen Haus und alle Zimmer sind mit Tatamimatten ausgelegt. Daher war dort auf einem klassischen Futon Schlafen angesagt. Beim Abendessen im Gemeinschaftsraum ergaben sich dann noch nette Gespräche mit dem Betreiber des Hostels und ein wenig auch mit anderen Gästen.